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Ein Leben für die Tageszeitung

Die Verlegerfamilie Distelbarth prägt das Medienunternehmen seit 75 Jahren und entwickelt es stetig weiter

Von Alexander Schnell

Am 28. März 1946 erscheint mitten in der zerbombten Stadt Heilbronn die erste Ausgabe der Heilbronner Stimme. Mann der ersten Stunde damals: Paul H. Distelbarth (1879 – 1963). Er ist im Rahmen der Arbeitsteilung zwischen ihm und Mit-Herausgeber Hermann Schwerdtfeger für das Kaufmännische zuständig. Der kritische Publizist teilt jedoch fast täglich in Leitartikeln seine Meinung mit. Nach der Banklehre und Aufenthalt in Paris heiratet er 1911 die Heilbronnerin Hildegard Erhardt. Im Ersten Weltkrieg wandelt sich der Hauptmann zum Kriegsgegner. 1921 erwirbt er ein kleines Obst- und Weingut in dem Weiler Rittelhof bei Löwenstein und engagiert sich publizistisch für die deutsch-französische Verständigung. Historiker sehen Distelbarth als einen der „maßgeblichen Schöpfer“ des neuen deutschen Frankreich- Bildes.

Weltoffen und bodenständig, aufgeschlossen und behutsam zugleich leitet Verleger Frank Distelbarth ab 1955 die Geschäfte. Weil zwei seiner Brüder nicht aus dem Krieg zurückkehren, trat der 2012 Verstorbene in die Fußstapfen seines Vaters und Stimme-Gründers Paul H. Distelbarth. Der Naturfreund organisiert den Bau des neuen Verlagssitzes an der Allee und forciert den Ausbau des Verlags in den 60er und 70er Jahren. Stets im Blick hat Distelbarth die Technik: Früh treibt er die Umstellung von Blei- auf Fotosatz voran. 1987 gründet er den privaten Rundfunksender Radio Regional, 1995 folgt der Neubau des Druckhauses in der Austraße in Heilbronn. Nur einige von vielen Meilensteinen im Wirken von Frank Distelbarth. Für die Mitarbeiter hat der Visionär stets ein offenes Ohr, im Verlegerverband hat sein Wort Gewicht. In seiner Freizeit pflegt er den heimischen Garten und die Weinberge. Außerdem engagiert er sich für soziale und kulturelle Einrichtungen in seiner Heimatstadt Löwenstein und der ganzen Region.

 

Mit Chefredakteur Dr. Werner Distelbarth übernimmt im Jahr 1989 ein Enkel des Zeitungsgründers die Leitung der Redaktion. Von seinen Mitarbeitern wird er als „Kollege Chef“ geschätzt. Bereits 1973 absolviert er ein Volontariat im eigenen Haus. Der promovierte Romanist „db“ galt als scharfzüngiger Leitartikler, geistreicher Plauderer, als Meister der leisen Töne. Trotzdem oder gerade deshalb sucht er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1994 die offene Diskussion. Unter Werner Distelbarth wird 1990 die bis dahin größte Umstellung im Erscheinungsbild der Stimme vollzogen. Die umfassende Neukonzeption gipfelt auf der Seite eins in einem blauen Titelkopf, der bis heute in ständig modifizierter Form existiert. Vielen Wegbegleitern in Erinnerung ist das Jahr 1992.Werner Distelbarth hat mit seiner Redaktion bei einem Stimme-Dialog in Sachen Zuwanderung Flagge gezeigt und zudem einen Heilbronner Aufruf gegen Fremdenhass initiiert, den Tausende Leser unterschrieben bei der Aktion.

 

Im Jahr 1998 gibt Frank Distelbarth die Führung des Verlags in die Hände seines Sohnes Tilmann, der bis heute die Geschicke des Unternehmens lenkt. Ein weiterer wichtiger Schritt folgt 2003: Die Familie Distelbarth übernimmt die Stimme-Anteile der Familie Schwerdtfeger. „Die Medienlandschaft ist in einem ständigen Umbruch, der sich durch das Internet-Zeitalter beschleunigt“, sagt Distelbarth (siehe Interview auf Seite 6 und 7). Dementsprechend baut das Medienunternehmen unter der Führung des 53-Jährigen das Angebot auf www.stimme.de aus.